Die Hörspielreihe „Die drei ???“ zählt seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Jugendkrimis
im deutschsprachigen Raum und begeistert Millionen von Fans mit ihren markanten Sprechern
und überwiegend spannenden Geschichten.
Interview mit Jens Wawrczeck sowie satirische Kurzrezensionen zu „Die drei ???“ (Zeitgeist-Test). [SPOILER-WARNUNG]
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DREI ???
Drei Männer vor dem Mikro![]() Seit 1993 werden die Folgen von deutschen Autoren geschrieben, nachdem die amerikanische Originalreihe "The Three Investigators" (nach Robert Arthur) ab 1989 eingestellt wurde. Die drei Hauptrollen der deutschen Vertonungen sprechen seit 1979 Oliver Rohrbeck (Justus Jonas, 1. Detektiv), Jens Wawrczeck (Peter Shaw, 2. Detektiv) und Andreas Fröhlich (Bob, Andrews, 3. Detektiv). Wie lange uns der derzeitige Medien-Hype um die drei Fragezeichen, dem sich anzuschließen selbst der eine oder andere Feuilletonist offenbar nicht widerstehen konnte, noch erhalten bleibt, wird die nähere Zukunft zeigen. Nicht zu unterschätzen ist jedoch vermutlich die Zahl derjenigen Hörspielhörer, die über `harmlose´ Kinder- und Jugendhörspiele (quasi als `Einstiegs-Droge´) ihr Interesse an den `ausgereifteren´ Produktionen öffentlich-rechtlicher Natur entdeckt haben. Dies ist ein schöner Nebeneffekt. Über die kommerziellen Produktionen hinaus scheint nachhaltig lediglich Jens Wawrczeck dem klassischen 'Radio-Hörspiel' verbunden zu sein. Während man Oliver Rohrbeck viel als Fernseh-Synchronsprecher und Sprecher kommerzieller Hörbücher (nicht zuletzt seiner eigenen bei der erfolgreichen 'Lauscherlounge') wahrnimmt und Andreas Fröhlich mit seinem jugendlich-kumpelhaften Timbre Fernsehwerbung bereichert und ebenfalls zahlreiche Charaktermimen synchronisiert, wirkt Wawrczeck seit über einem Jahrzehnt verstärkt in öffentlich-rechtlichen Hörspielproduktionen mit. Übrigens: Hat eigentlich jemand das zweite der drei ??? Fragezeichen und Cineast Jens Wawrzceck schon einmal darauf aufmerksam gemacht, dass er optisch der Zwillingsbruder des jungen Lou Castel (eigentlich Ulv Quarzéll) sein könnte, der in Filmen wie 'Mit der Faust in der Tasche' (1965) rebellierend brillierte ? Und hat schonmal jemand den Ur-Berliner und ersten der drei ??? Fragezeichen Oliver Rohrbeck darauf aufmerksam gemacht, dass in ungefähr einer Stunde Fahrzeit von der Hauptstadt entfernt ein richtiger Hörspielbahnhof im Brandenburgischen existiert ? Noch nicht ? Schwach ! Nachholen ... ! |
INTERVIEW
Jens Wawrczeck [im Winterhuder Fährhaus]
Ich wußte schon sehr früh, dass ich Schauspieler werden wollte. Darum war ich begeistert als in der fünften Klasse unser Deutschlehrer verkündete, dass der Norddeutsche Rundfunk Kinder für den Schulfunk suchen würde. Ich spazierte, damals noch ohne das Wissen meiner Eltern, am Nachmittag zum Vorsprechen und wurde genommen. Da war ich ca. elf. Und die darauf folgenden Jahre habe ich mehr oder weniger hinter dem Mikrofon zugebracht, z.B. in Astrid Lindgrens `Brüder Löwenherz´ oder als Mogli im `Dschungelbuch´. Auf der Bühne stand ich das erste Mal 1976, an den Hamburger Kammerspielen. Und Theater ist auch heute noch meine ganz große Liebe, glaube ich. Ich war ein merkwürdiges Kind, ich hörte weder die Musik der anderen, noch las ich deren Bücher oder sah die Filme, die den anderen gefielen. Es gab immer wieder Zeiten, in denen ich mich selber lieber angepaßter gesehen hätte. Später habe ich dann erfahren, dass das, was mich unterschieden hat, durchaus ein Vorteil sein kann. Zumindest als Sprecher und Schauspieler. Bis ich sechzehn war habe ich eine Unmenge Hörspiele gemacht. Dann kam der Stimmbruch und es wurde etwas ruhiger. Wie ging es dann weiter ? Nach dem Abitur war ich in Hamburg auf der Schauspielschule und eines Tages wurde ich einem Regisseur vor die Nase gesetzt, mit dem ich heute noch arbeite und den ich sehr verehre: Hans Gerd Krogmann. So landete ich mehr oder weniger zufällig in der Abteilung `das anspruchsvolle Hörspiel´. In den letzten zehn Jahren habe ich bei Krogmann fantastische Rollen gespielt. Aber in anderen Produktionen habe ich es manchmal auch erlebt, dass hinter den sogenannten anspruchsvollen Texten nichts weiter steckte als heiße Luft; dass ich im Studio saß und teilweise gar nicht verstanden habe, was ich da spreche und auch der Rest der Crew ziemlich ratlos blieb. Das hinterläßt dann einen fahlen Nachgeschmack, weil ich nicht nur das Gefühl habe, einem aufgeplusterten Nichts Leben einhauchen zu müssen, sondern außerdem befürchten muß, dass mir das nicht gelingt. Kannst Du da Beispiele nennen ? Es gab Texte, oft sogenannte `innere Monologe´
, die nicht besonders gut, d.h. in diesem Fall schauspielerfreundlich geschrieben
waren. Vielleicht bin ich ja auch zu ungeduldig, zu oberflächlich, zu
konventionell ... Kommt so etwas öfter vor ? Es ist nicht die Regel, aber natürlich frage ich mich ab und zu nach einer Produktion: `Was war das ?´. Es gibt Produktionen, die ein Riesenerfolg werden, wie z.B. 'Raumschiff Titanic' , bei denen es während der Aufnahmen aber extrem schwer ist, der Handlung zu folgen. Da hantiert man dann mit mehreren Manuskripten (Mehrteiler) und nimmt nicht chronologisch auf. Daher ist es schwer, den Überblick zu bewahren, zu wissen `was ist meiner Figur eigentlich in der Szene vorher widerfahren ?´ ... usw. In solchen Situationen ist ein starker Regisseur wichtig. Übrigens: Oft sind gerade die Produktionen ein großer Erfolg, in denen sehr viel weniger Herzblut und persönliches Engagement steckt - Wer weiß, warum? Das kann frustrierend sein. Wie stehst Du zum Medium Hörspiel ? Das Hörspiel ist eine Oase in der Medienlandschaft. Dort arbeitet man noch unter vergleichsweise sehr guten Bedingungen, zumindest bei den Öffentlich-Rechtlichen. Dort wird sich bei größeren Produktionen durchaus noch vier bis acht Wochen Zeit genommen. Die meiste Zeit wird allerdings nicht für die Schauspieler, sondern für die Mischung gebraucht. Da es den meisten Schauspielern sehr viel Spaß macht, in Hörspielen mitzuwirken, können auch oft kleinere Rollen mit tollen Leuten besetzt werden. Fühlst Du Dich dem Medium Hörspiel eigentlich besonders verbunden ? Du hast ja immerhin Deine Karriere mit Hörspielen gestartet. Genau. Ich habe mit Hörspielen angefangen und ich fühle mich dem Medium sehr verbunden. Das Spannende daran ist, dass es so intim ist. Intim vom Konsum oder auch von der Mache her ? Beides. Vom Konsum sicher. Wie oft haben mir Hörer
erzählt, sie wären mit einem Hörspiel von mir eingeschlafen
(!), besonders Die drei Fragezeichen werden gerne unter der Bettdecke gehört.
Das ist doch schon sehr intim ... . Aber auch die Mache ist intim, weil man
so `nah´ am Darsteller ist. Hörst Du selbst privat auch Hörspiele ? Selten. Wenn ich selber mitwirke, werde ich beim Hören sehr ungeduldig. Nach dem Motto: Das hättest Du doch besser machen können ! ![]() Wird denn nach wie vor aufwendig produziert ? Nimmst Du Veränderungen wahr ? Es wird relativ aufwendig produziert. Aber auch in der Hörspielbranche ist Zeit Geld und alles muß schnell gehen. In Berlin habe ich kürzlich für Random House Audio/BMG den Roman `Die Sonne ist eine geniale Göttin´ gelesen, der jetzt als Doppel-CD erschienen ist. Das war ein Pensum von 120 Seiten, die ich in zwei Tagen gelesen habe. Das ist sehr viel. Da ging ich abends nach Hause und hatte einen fusseligen Mund. Und das, obwohl ich eigentlich hart im Nehmen bin. Mir wurde dann gesagt, dass man früher doppelt so viel Aufnahmezeit zur Verfügung gehabt hätte. In solchen Fällen hilft es, gut vorbereitet zu sein und einen Regisseur zu haben, der unterstützt. Dann bist Du also ein Typ, der durchaus einen Regisseur für Rückmeldungen braucht ? Irgendwie ja. Im Idealfall ist das jemand, der mir nicht vorschreibt, wie ich etwas gestalten soll, sondern mir zuhört und gemeinsam mit mir auf die Suche geht. Wie nimmst Du die allgemeine Tendenz in Sachen Hörspiel wahr ? Ist die steigend oder fallend ? Es wird immer mehr produziert. Besonders in Kooperation mit den Hörbuchverlagen. Alles wird kommerzieller. Leider teilweise auch die Besetzung. Die Verantwortlichen besetzen gerne Fernsehschauspieler, die nicht unbedingt ideal für die Rolle sind, weil sie hoffen, auf diese Weise mehr zu verkaufen. Schwierig ist es auch, dass ein Hörspiel, das zwar von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten produziert, aber anschließend von irgendwelchen Hörbuchverlagen ebenfalls veröffentlicht wird, nicht mehr uneingeschränkt Musiken verwenden darf. Das ist urheberrechtlich problematisch. Einer meiner Lieblingsregisseure, Hans Gerd Krogmann, der Hörspiele mit vielen Musikzitaten inszeniert, fast wie Opern, ist zu Recht völlig frustriert, wenn ihm solche Handschellen angelegt werden. Das beschneidet die künstlerische Freiheit. Wie sieht es eigentlich mit Rückmeldungen im Sinne von Publikumsreaktionen aus ? Ich weiß nicht, was die Hörspielredaktionen tatsächlich an Kommentaren von Hörern bekommen. Wir, die Schauspieler, kriegen das wenig mit. Höchstens gibt es innerhalb der Branche Reaktionen, Komplimente oder auch das Gegenteil. Ist es denn eigentlich eine Art Referenz, wenn man z.B. zum Fernsehen möchte und man hat vorher Hörspiele gemacht ? Glaube ich nicht. Beim Fernsehen gilt es manchmal schon als ein Makel, wenn man zuviel Theater gespielt hat. Da heißt es, man sei zu theatralisch. Wie nimmst Du eigentlich die Einschätzung von kommerziellen Hörspielproduzenten und öffentlich- rechtlichen Realisatoren wahr ? Gibt es da Berührungsängste, oder ignoriert man sich gegenseitig vielleicht sogar vollständig ? Sicher gibt es auf beiden Seiten Scheuklappen. Die einen halten die anderen für oberflächlich, die anderen die einen für elitär. Als Schauspieler sehe ich das gelassener. Ich versuche, mein Bestes zu geben. Bist Du eigentlich abonniert auf Krimis ? Eigentlich nicht. Vielleicht entsteht der Eindruck, weil insgesamt so viele Krimis in den letzten Jahren produziert worden sind. Auch das ist sicher ein Zeichen dafür, dass auch bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten immer mehr danach geschielt wird: Was läßt sich verkaufen ? Was wollen die Hörer hören ? Schade eigentlich. ![]() Unterscheidet sich denn die Produktionsweise der Privaten und der Öffentlichen sehr voneinander ? Ja. Die Öffentlichen lassen sich sehr viel mehr Zeit für Aufnahme und Mischung. Und sie sind auch viel beharrlicher, wenn es darum geht, die Schauspieler zu engagieren, die sie für optimal halten. Letztes Jahr spielte ich abends in Hamburg Theater und stand tagsüber in Stuttgart für die Hörspielfassung von Grimmelshausens `Simplicissimus´ beim SWR vorm Mikrofon.Das bedeutete, dass ich allein achtmal hin- und herfliegen musste. Diesen Aufwand, und letztlich auch Streß, können sich kleinere, private Firmen gar nicht leisten. Das war selbst für den SWR eine Ausnahme, weil es sich wirklich um eine sehr, sehr aufwendige und große Produktion handelte. Aber wenn ein Regisseur bei den Öffentlichen Dich haben möchte, gelingt es ihm für gewöhnlich, Dich zu bekommen, weil wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt werden. Der Regisseur bei den Öffentlichen ist im Vergleich zu den Privaten sowieso ein enorm wichtiger Mann. Ich würde soweit gehen, zu sagen, dass die Arbeit zwischen Schauspieler und Regisseur bei den Öffentlichen intensiver ist. Sind Die drei Fragezeichen eigentlich die einzigen Hörspiele für Kinder und Jugendliche, bei denen Du mitwirkst ? Zur Zeit schon, und in dieser Serienform auf
jeden Fall. Die drei Fragezeichen sind mit anderen Produktionen auch gar nicht zu
vergleichen. Ich mache das jetzt seit über zwanzig Jahren und wenn ich
-was tatsächlich häufiger vorkommt- an der Stimme oder am Lachen
von DREI ???- Hörern erkannt und angesprochen werde, dann ausschließlich
auf eine sehr persönliche, angenehme und liebevolle Art. Die drei Fragezeichen
scheinen für viele ein Teil der Jugend zu sein, der gute Teil. Und ohne
dass Andreas, Oliver oder ich jemals so etwas geahnt hätten, haben
wir eine sehr intime und dauerhafte Beziehung zu unseren Hörern aufgebaut.
Das ist insofern überraschend, weil der reine Zeitaufwand, den die DREI
???-Aufnahmen im Jahr für uns bedeutet, relativ gering ist und im Vergleich
zu anderen Jobs, Theater usw., kaum der Rede wert. Wie ist Dein Verhältnis zu den anderen beiden Sprechern der DREI ??? ? Inzwischen kommen Oliver, Andreas und ich sehr gut miteinander aus. Am Anfang war das nicht immer so. Ich war vielleicht ein bißchen eingeschüchtert von den beiden. Heute bedauern wir, dass wir uns nicht häufiger sehen. Wir mögen uns wirklich sehr. Wenn man so viele Jahre zusammenarbeitet, entsteht ein enormes Vertrauen und auch Respekt. Die Aufnahmen sind so familiär, dass wir gerade unsere gemeinsamen Szenen, die in der Zentrale oder auf dem Schrottplatz, nicht als Arbeit empfinden, sondern als Fest. Im Ernst: Ich glaube, dass das die Qualität der DREI ??? ausmacht. Man glaubt uns, dass wir vertraut miteinander sind, dass wir uns mögen, durch dick und dünn füreinander gehen würden und uns wirklich gut kennen, weil es tatsächlich so ist. Nächstes Jahr (2002) wollen wir übrigens mit einer Art Live-Performance auf Tour gehen. In letzter Zeit gab es ja Irritationen um die Rolle des Peter Shaw, dadurch dass verbreitet wurde, er sei schwul bzw. hätte einen Freund. Ach herrjeh... ! Wir werden so oft gefragt: `Warum haben Die drei Fragezeichen keine Freundinnen ?´ usw., dass ich irgendwann mal gesagt habe: `Vielleicht haben die ja was miteinander, wer weiß ?´. Aber mal ehrlich: Ob Peter schwul ist oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle, weil diese Thematik bei den DREI ??? auch keine Rolle spielt. Das Sexualleben von Justus, Peter und Bob ist weitgehend tabu bzw. nicht relevant. Wir lösen Kriminalfälle. Der Rest bleibt der Fantasie der Hörer überlassen. Die ist bunt genug, denke ich. |
DREI ??? - SATIRISCHE KURZREZENSIONEN
... und der Zeitgeist-Test 'Die Drei Fragezeichen' waren und sind mit Abstand Deutschlands erfolgreichste Jugend-Hörspielserie. Andere innovativere und mutigere Formate, wie etwa die Widerlichen Zeiten, konnten sich bis heute in punkto Popularität nicht gegenüber dem immensen Ausstoß der Produktionen von Heikedine Körting durchsetzen. Nach über 3 Dekaden, in denen sie ermittelten, haben sich Moral und Werte nachhaltig verändert, was sich bisher noch viel zu wenig auf die Rezeption der einzelnen Geschichten niedergeschlagen hat. Die HÖRSPIELer wollen dies ändern und nehmen die 'klassischen' ersten 22 Folgen der Serie diesbezüglich genauer unter die Lupe. (Spoiler-Warnung!) |
DREI ??? - KURZREZENSION [01+02]
Papageien und Phantome
Der sicher sehr gute Schauspieler Gerlach Fiedler hat einen enormen Bass als Stimme, bei dem man denkt, dass bei jedem Atemzug ein paar Hundert Nasenhaare mitschwingen. Ein äußerst unästhetisches Timbre, das muss hier einmal gesagt werden. Die 'Telefonlawine' zur Recherche eines Verdächtigen richtet sich ausschließlich an junge männliche Kalifornier ('Jungen') - was mit den Vorgaben des Gender-Mainstreaming überhaupt nicht in Einklang zu bringen ist: Wir alle wissen, dass junge weibliche Menschen ('Mädchen') genauso abenteuerlustig sind, wie Angehörige des ungerechterweise leider immer noch bevorzugten Gechlechts. Auch der Hinweis gegen Ende des Hörspiels auf die 'ruhenden Gebeine' einer Gruppe von amerikanischen Ureinwohnern hingemetzelter weißer Siedler ist für den Gedanken der Völkerverständigung nicht hilfreich. Nicht zuletzt, weil inzwischen auch dem letzten Zweifler bekannt sein müsste, dass alles Leid der Welt von weißen, christlichen Amerikanern verursacht wird - woran Massenmedien und politische Organisationen zurecht regelmäßig erinnern. Die drei Fragezeichen streiten sich mit Java-Jim um den Inhalt einer alten Seefahrerkiste, der möglichweise zu einem Seeräuberschatz führt. Professor Shy hilft ihnen dabei. Der wunderbare Gottfried Kramer hat in der zweiten Folge 'Der Phantomsee' eine Doppelrolle zu bewältigen, was für einen exzellenten Sprecher wie ihn natürlich kein Problem ist. Aber die Regieanweisungen erfüllten leider alle Klischees, die zur Entstehungszeit der Vertonung noch äußerst virulent und unheilvoll waren: Kramer spricht den Ganoven Java-Jim rauhbeinig und aggressiv, während er Professor Shy als zart besaitet und 'tuntig' darstellt. Er macht das sehr überzeugend, aber warum muss eigentlich der virile Verbrecher als allem Anschein nach heterosexuell und der gutmütige und zivilisierte Professor als allem Anschein nach homosexuell dargestellt werden ? Es ist ungut, diese tradierten Rollenbilder in einem Jugendhörspiel fortzuschreiben. Ganoven können sehr wohl gewalttätig und schwul sein, Menschenfreunde durchaus auch mal heterosexuell. |
DREI ??? - KURZREZENSION [03+04]
Hunde und Katzen
Die Folge 'Der Karpartenhund' ist die beste 'klassische' (Episoden 1-28) Hörspielvertonung der Fälle der drei Fragezeichen. Es wurde ein überzeugendes und rasantes Verwirrspiel um die schrulligen Mieter (Gernot Endemann, Katharina Brauren sowie Hans Hessling) einer Wohnanlage inszeniert, das bis heute nichts von seinem Charme eingebüßt hat. Lediglich die Tatsache, dass am Ende als Täter ein Gewohnheitsraucher entlarvt wird, stellt einen kleinen Wermutstropfen dar - wird diese Bevölkerungsgruppe doch bereits genug von aufdringlichen Gesundheitsaposteln und steuererhebungs-fixierten Politikerinnen drangsaliert. In einem Wanderzirkus ereignen sich immer wieder brenzlige Zwischenfälle. Außerdem werden die drei Fragezeichen Zeuge, wie jemand versucht, eine scheinbar wertlose schwarze Stoffkatze zu stehlen. Besteht ein Zusammenhang zwischen beiden Auffälligkeiten ? Die Folge 'Die schwarze Katze' gehört zu der bei den drei Fragezeichen beliebten aber leider auch etwas eintönigen Kategorie von 'in unscheinbaren Gegenständen ist etwas Wertvolles oder zumindest der Hinweis auf etwas Wertvolles versteckt'. Bemerkenswert ist die Beschreibung des gesuchten Täters als 'dunkelhäutig', welche später auch zu seiner Überführung beiträgt. Zur Entstehungszeit des Hörspiels 1979 hatte sich noch nicht wie heute die Erkenntnis durchgesetzt, dass Angehörige ethnischer Minderheiten oder gar Menschen aus 'Südland' grundsätzlich keine selbstverantworteten Verbrechen begehen. Die ursächlichen gesellschaftlichen Mißstände wurden in der ansonsten passablen Vertonung überhaupt nicht thematisiert. Es bleibt zu hoffen, dass die zuständigen Verlagsmitarbeiterinnen die entsprechenden politisch unkorrekten Details aus künftigen Neuabmischungen des Hörspiel-Oldies herausschneiden. |
DREI ??? - KURZREZENSION [05+06]
Rubine und Totenköpfe
Die im Hörspiel ausgesprochene Warnung "Nimm dich in Acht vor einem dunkelhäutigen Mann !" lässt definitiv eine kultursensible Sprache im Sinne von Niedersachsens ehemaliger Sozialministerin mit Migrationsgeschichte Aygül Özkan vermissen. Lediglich das frühe Erscheinen der Vertonung bereits 1979 kann entschuldigen, dass Frau Özkan, die mit ihrer „Mediencharta für Niedersachsen“ sicher keine Zensur in Deutschland einführen wollte, das Werk vermutlich nicht gutheißen würde. Noch ein Wort zu den Büsten großer Berühmtheiten, in denen die Fragezeichen einen Hinweis auf oder gar den Edelstein selbst vermuten: Es sind die Abbilder von George Washington, Benjamin Franklin, Ottavian, Homer, Otto von Bismarck sowie Francis Bacon. Darunter befindet sich nicht EINE Frau. Dabei waren Frauen für die Geschichte der westlichen Welt genauso wichtig, wie Männer. Warum ist keine Büste von Hildegard von Bingen oder Madame Curie dabei ? Hier wurde leider eine Chance vertan. Aus Angst vor dem Fluch des Rubins äußert sich Gus in einer Art, die sämtliche wohlmeinende Vertreter des Sozialstaats - Pädagogen, Anwälte, Politiker - zur Verzweifelung treiben würde: "Dann bleibe ich lieber arm. Ich werde schon irgendwie durchkommen ..." Als wenn arme Menschen in dieser Gesellschaft auch nur irgendeine Chance auf wirtschaftlichen Aufstieg hätten ! Genau aus diesem Grunde haben wir schließlich den Umverteilungsstaat, der die Menschen motiviert und Initiative entwickeln lässt. Der sprechende Totenkopf führt Justus Peter und Bob zu einem versteckten Schatz, hinter dem auch ein vorbestrafter Roma sowie ein Berufsverbrecher her sind. Die Fährte zum Schatz führt über die Korrespondenz eines einsitzenden Verbrechers. Wegen der Gefängniszensur müssen die drei Detektive die Andeutungen in seinen Briefen enträtseln. Würde man die Geschichte heute neu und politisch korrekt vertonen, müsste man noch etwas deutlicher machen, dass die im Gefängnis Inhaftierten vor der Gesellschaft geschützt werden und nicht etwa umgekehrt. |
DREI ??? - KURZREZENSION [07+08]
Drachen und GeisterBesonders die Wendung, dass Justus einen der mutmaßlichen Verbrecher noch rechtzeitig von seinen Raubplänen abbringen kann, ist aus heutiger kriminalpolitischer Perspektive sehr erfreulich. Während der junge Jonas ihm Fluchthilfe leistet, sagt er noch: 'Ich glaube, dass Sie im Grunde genommen ein Spaßvogel sind, der wieder einmal über´s Ziel hinaus geschossen ist'. Manch eine Hörerin oder ein Hörer mögen bei der überaus pädagogisch wertvollen Auflösung des Falls - ohne vielleicht genau zu wissen, warum - an moderne Kriminalpolitiker wie Ehrhart Körting, Sebastian Edathy oder Christian Pfeiffer denken. Das wäre jedenfalls naheliegender, als Namen wie Kirsten Heisig, Thilo Sarrazin oder Ronald Barnabas Schill mit einem Jugendhörspiel, wie dem 'Unheimliche Drachen', in Verbindung zu bringen. Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews helfen in Der grüne Geist einer chinesischstämmigen Farmbesitzerin, ihre Ranch gegen Intrigen zu verteidigen. Ein chinesischer Millionär hat es auf besondere Perlen abgesehen, die angeblich unsterblich machen sollen. Um in ihren Besitz zu gelangen, entführt er sogar den Neffen der alten Dame. Sehr heikel mutet aus heutiger Sicht die eher negative und klischeebeladene Darstellung des chinesischen Finsterlings durch Ernst von Klipstein mit rollendem 'l' sowie gekünstelt hoher Stimme an. Die europäische Politikelite übt sich seit Jahren in Lobpreisungen über das kommunistisch-kapitalistische Regime im Reich der Mitte - sowohl was wirtschaftliche als auch demokratrische Fortschritte anbelangt. Man sollte es sich mit diesem immer wichtiger werdenden Global Player also auf keinen Fall verscherzen - das wissen wir heute, damals konnte man noch altbundesrepublikanisch naiv agieren. |
DREI ??? - KURZREZENSION [09+10]
Bilder und MumienWährend einer Verfolgungsjagd per Fahrrad gibt Bob Andrews, der dritte Detektiv, im Straßenverkehr Bemerkungen von sich, wie 'Wir kümmern uns nicht um rotes Licht !' und 'Nicht um die Ampeln kümmern !'. Das ist aus medienpädagogischer Sicht nicht gut. Außerdem versuchten die Autoren dieses Jugendkrimis vor über 30 Jahren, die Hörer mit der Schilderung eines vermeintlich unsympathischen und gefährlichen Holländers auf eine falsche Fährte zu locken. Aus heutiger Sicht ist das ebenfalls unschön, werden Holländer doch gegenwärtig ohnehin international vom medialen sowie politischen Establishment stark angefeindet. Dies sogar zu Recht, da sie einige bedenkliche Persönlichkeiten, wie Geert Wilders und Ayaan Hirsi Ali hervorgebracht haben, die sich entgegen den Vorgaben einer sich weltweit steigender Beliebtheit erfreuenden friedlichen Ideologie für Frauen- und Homosexuellenrechte einsetzen. Bösewichter in Krimis sollten grundsätzlich nicht mit Akzent sprechen. Ein Altertumsforscher bittet die drei Fragezeichen, ihm bei der Lösung des Geheimnisses um die flüsternde Mumie, die er aus Ägypten nach Kalifornien brachte, zu helfen. Dass der Professor seine sieben philippinischen Gärtner nicht auseinanderhalten kann, liegt vielleicht nur daran, dass es sich bei ihnen um Brüder handelt und nicht weil er á la Thilo Sarrazin eigene Theorien über die weniger ausgeprägte genetische Vielfalt bei Asiaten pflegt. Gerade noch gerettet ... . Weniger nett ist die Behauptung des Professors (Karl Walter Diess), 'Aberglaube spreche aller Wissenschaft Hohn'. Dieser Aufklärungsfundamentalismus ist ein Schlag ins Gesicht vieler neuer Bürger dieses Landes, denen wir in den letzten Jahren einen starken Schub auf dem Weg zu einer Rekonfessionalisierung der Gesellschaft verdanken. Vor diesem Hintergrund wäre zudem ein Hinweis im Hörspiel oder wenigstens auf dem Cover begrüßenswert, dass in Ägypten die alten Pyramiden großzügigerweise nach wie vor als Zeugnisse der Vergangenheit und früherer Religionen geduldet werden und ihnen ein ähnlich drastisches Schicksal wie das der Buddha-Statuen von Bamiyan bisher erspart geblieben ist. |
DREI ??? - KURZREZENSION [11+12]
Schlösser und Wecker
Die jugendlichen Detektive lassen in dieser Folge kurzweilig immerhin etwas Mitleid mit dem durch seine abnorme Stimme gestraften ehemaligen Schauspieler und Prominenten erkennen. Sie sind damit ihrer intoleranten Zeit ein gutes Stück voraus - das Hörspiel entstand im Jahr 1980 als man in den elektronischen Massenmedien noch übersteigerten Wert auf wohlklingende und ansprechende Timbres bei Schauspielern und Sprechern legte (Dagmar Berghoff, Wolf-Dieter Stubel, Marlen Diekhoff). Heute, im Jahr 2017, haben Medienanbieter und Publikum glücklicherweise derart oberflächliche Betrachtungsweisen im Bezug darauf, was man anderen Menschen zumuten kann und was nicht, überwunden und weisen kaum noch Berührungsängste mit penetranten Stimmen auf. Erfolgreiche zeitgenössische Prominente wie Gülcan Kamps, Stefan Raab oder Charlotte Roche profitieren verdientermaßen von diesem erfreulichen Einstellungswandel bezüglich der Überbetonung von Talent. Dagegen vermögen selbst Experten für Phoniatrie und Pädaudiologie, wie Niels Graf von Waldersee, der unter anderem den häufig ausbleibenden weiblichen Stimmbruch thematisiert, nichts auszurichten. Die drei Detektive aus Rocky Beach helfen einem Jungen beim Beweis der Unschuld seines Vaters, der Opfer eines Justizirrtums wurde. Eine wichtige Rolle bei der sich anschließenden und für die drei Fragezeichen typischen Beweis-Schnitzeljagd spielen seltsame Wecker, die statt mit Alarmsignalen durch menschliche Schreie die Nachtruhe ihrer Besitzer beenden sollen. Es gibt anmaßende Zeitgenossen, die behaupten, dass Regisseurin Heikedine Körting als Sprecherin in ihren eigenen Hörspielen nicht übertrieben geeignet sei. An dieser Stelle kann jedoch festgehalten werden, dass sie als schreiender Wecker einen ganz besonders nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen verstand. |
DREI ??? - KURZREZENSION [13+14]
Schatten und MonsterDen besorgten Indianervater spricht der altbewährte Schauspieler Gernot Endemann, was vielleicht gut gemeint sein mag, aber in dieser Folge durch seine grotesk verstellte Stimme recht aufgesetzt und penetrant wirkt. Wenn in früheren Zeiten europäischen Schauspielern das Gesicht schwarz bemalt wurde als sie indigene Menschen zu spielen hatten, wirkte dies stets schon unangenehm. Wenn deutsche Sprecher ihre Stimmen unter schlechter Regieanleitung zu 'Indianisieren' versuchen, kann man sich als Hörer nur beschämt abwenden. Die drei Fragezeichen Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews sind mit Patrick und Kenneth, den beiden irischstämmigen Handlangern der Schrott- und Antikhandels von Justus' Onkel, in den Bergen von Rocky Beach unterwegs, um deren Cousine in ihrer abgelegenen Natur-Pension zu besuchen. Aber erstens verhält sich Kathleen von Anfang an recht seltsam den unangekündigten Gästen gegenüber und zweitens scheint in den Bergen noch ein seltsames Wesen umzugehen, was die drei Jungdetektive erneut ermitteln lässt. Es fällt außerordentlich schwer, an der Folge mit dem Bergmonster herumzumäkeln, da diese zu den besten der Serie gehört. Die Gäste der Wald-Pension sind interessant beschrieben und werden mitsamt ihrer untereinander ausgetragenen Konflikte sehr gut von den Sprechern verkörpert. Ähnlich wie bereits im Karpartenhund entwickelt sich hier unter ausgewogener Regie ein äußerst hörenswertes kleines Kammerspiel zwischen verschiedenen schrägen Kauzen. |
DREI ??? - KURZREZENSION [15+16]
Löwen und Zauberspiegel
Als über das Tier gesprochen wird, nennt ein Tierparkangestellter es 'George', worüber sich Peter Shaw sogleich mokiert, da früher Tieren speziellere Tiernamen gegeben wurden, z.B. 'Lucky', 'Balu', 'Pluto' etc. - und eben keine 'normalen' Menschennamen. In einer modernen und weitgehend individualisierten Gesellschaft, wo Tiere zunehmend als Ersatz für nichtexistente Familienangehörige fungieren, kann man darüber nur den Kopf schütteln und selbstverständlich den vermenschlichten Vierbeinern konventionelle Namen geben, wenn man schon immer weniger Menschen in der Familie um sich hat. Also - keine sehr sensible Einlassung vom zweiten Detektiv! Dass der Bösewicht dieses Kriminalfalls abwertend als Mann mit einem 'Nussknackergesicht' beschrieben wird, zeugt zudem nicht eben von viel Sensibilität gegenüber dem holzverarbeitenden Handwerk. Hat der antike Spiegel einer netten alten Lady Zauberkräfte ? Jedenfalls weckt er Begehrlichkeiten - unter anderem bei einem zwielichtig wirkenden Herren aus Südeuropa... Die ansonsten sehr nette erwähnte Lady äußert sich in einem Moment verwundert darüber, dass der aufdringlich um den Zauberspiegel bemühte Südeuropäer sich so hartnäckig verhalte, OBWOHL er doch Spanier sei. Dass durch solche unbedachten Aussagen in dem Hörspiel zwar positive aber eben auch ungerechte Stereotype über Südeuropäer bzw. Spanier zementiert werden, wonach diese also ansonsten besonnen, nüchtern und logisch agieren, ist nur schwer hinzunehmen, obwohl das Stück ansonsten durchaus unterhaltsam anzuhören ist. |
DREI ??? - KURZREZENSION [17+18]
Erbschaften und GeisterinselnEiner der Fingerzeige setzt die Freundschaft eines Mannes mit einem Polizisten voraus ('die Polizei, dein Freund und Helfer'). Heutzutage ist in Städten wie Berlin oder Hamburg gefühlt jede zweite Häuserwand mit einem 'ACAB'-Graffiti (`welches für 'All Cops are bastards' - 'alle Polizisten sind Bastarde' steht) verziert - augenscheinlich von wohlmeinenden verantwortlichen Politikerinnen geduldet, wenn nicht sogar gutgeheißen, da kaum nennenswert geahndet. Somit wäre die Kumpanei mit einem 'Bastard' mit Sicherheit als nicht vorbildliches soziales Verhalten anzusehen - ganz anders als in den frühen 80er Jahren, als viele Jungen noch desorientiert davon träumten, später einmal Polizist werden zu können. Ein früheres Verbrechen erschwert die Dreharbeiten eines Filmteams auf einer Insel, auf der der Geist eines verstorbenen Mädchens umgehen soll. Doch auch aktuell geschehen Dinge, die nicht in Ordnung oder gar geheuer zu sein scheinen. Die Fragezeichen sollen helfen.Ins Fadenkreuz des Unmuts einiger leicht rückständig erscheinender Inselbewohner gerät wegen einiger kleinerer Delikte ein junger griechischer Einwanderer, was beim ersten Hinhören natürlich nicht gerade von Weltoffenheit zeugt. Auch das Fallbeispiel des undurchsichtig wirkenden Tom Farraday, eines ehemaligen skrupellosen Bankräubers, der eigentlich resozialisiert scheint, aber dann, als sich auf der Geisterinsel erneut eine Gelegenheit für kriminelles Handeln ergibt, wieder umso heftiger rückfällig wird, scheint nicht gerade dafür geeignet, Heranwachsenden das Bild einer einfühlsamen und inkludierenden Gesellschaft vermitteln zu helfen. |
DREI ??? - KURZREZENSION [19+20]
Teufel und FlammenUm unbemerkt in das alte Bergwerk zu gelangen, greifen sie zu einer bewährten alten List: Sie staffieren alte Kleider als Puppen-Doppelgänger ihrer selbst aus und platzieren sie vor dem Stolleneingang, so dass Beobachter denken sollen, dass die drei Jungen sich außerhalb des Teufelsberges aufhalten. So weit, so gut - aber als 'Krönung' verlangt Justus von seinen Mitstreitern, den Doubles noch typisch mexikanische Sombreros aufzusetzen, was zweifelsohne einen unappetitlichen Akt 'kultureller Aneignung' darstellt. Als Amerikaner dürften sie allenfalls auf Cowboyhüte zurückgreifen. Ansonsten ist die Folge abwechslungsreich und geladen mit spannender Atmosphäre. Im Haus eines alten Einwanderers in Rocky Beach geschehen seltsame und bedrohlich wirkende Dinge. Für die Folge um die flammenden Spuren des Mr. Potter muss man der vertonenden Hörspielfirma das Kompliment machen, dass sie der Versuchung widerstand, in einer Geschichte, die von den blutigen Familienfehden zwischen Exil-Rumänen handelt, der Versuchung widerstanden zu haben, auf allzu billige Klischees und Stereotypen über Menschen aus Osteuropa zurückgegriffen zu haben: Fragt man heute etwa einen Tschechen, welches Volk in dem südostbalkanischen Land beheimatet ist, ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass er mit 'Sinti und Roma' antwortet oder einem anderen Wort, das aus dem deutschen Sprachraum aus gutem Grunde gestrichen wurde. Na und selbst, wenn dem so wäre ! Nicht so schön war hingegen der Ausspruch von Justus, dass der vermisste Mr. Potter in einem 'freien Land' wie Amerika hingehen könne, wohin er wolle. Diese Spitze gegen Diktaturen, Autokratien und 'gelenkte' Demokratien wird in der gegenwärtigen Bundesrepublik, wo ein Präsident einem todbringenden Regime im Nahen Osten zu dessen 40. Jahrestag Glückwünsche im Namen aller Deutschen schicken kann, ohne dass dies irgendwelche Konsequenzen für ihn hat, vermutlich weniger goutiert werden als zur Entstehungszeit des Hörspiels in den Achtziger Jahren. |
DREI ??? - KURZREZENSION [21+22]
Teufel und Schätze Die Auftraggeberin der drei Jungdetektive ist zunächst ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft in Rocky Beach, das seine Puppe vermisst und hofft, dass Justus, Bob und Peter sie ihr mit Hilfe ihrer Fähigkeiten im Aufspüren vermisster Gegenstände wiederbeschaffen können. In dieser Folge um das ebenfalls verschwundene Kunst-Artefakt eines tanzenden Teufels tritt leider einmal mehr der heteronormativ geprägte hässliche Teilcharakter der sich ansonsten zur Zeit ihres erstmaligen Erscheinens eigentlich progressiv gerierenden Jugendserie zum Vorschein: Ein kleines Mädchen vermisst seine Puppe ! Ja, so etwas ist sicher schon vorgekommen. Aber musste man (beziehungsweise 'frau') bei einer einflussreichen Unterhaltungsserie wie dieser wirklich tradierte Rollenbilder fortschreiben, wenn ebenfalls glaubwürdige Alternativen zur Verfügung gestanden hätten: So hätte das Mädchen statt seiner Puppe doch auch ebensogut seine Modell-Dampfmaschine vermissen können! Hier wurde leider ohne Not eine gute Chance vertan, Kindern und Jugendlichen einen Ausweg aus dem Sumpf konservativer Geschlechterbilder aufzuzeigen. Der verschwundene Schatz aus einer Ausstellung verwickelt die jungen Schnüffelnasen Bob, Peter und Justus in ein Abenteuer um einen Bankraub, in das auch Gnome, Lilliputaner und 'Zwerge' (heutzutage korrekterweise als 'kleinwüchsige Menschen' bezeichnet) verwickelt sind - und zwar als Bösewichter. Das war selbst für das damals noch in Quickborn beheimatete Hörspiellabel starker Tobak und natürlich nicht gerade toleranzfördernd, wenn man davon ausgeht, dass kindliche oder jugendliche Hörspielhörer über keinerlei ihnen durch ihr Elternhaus vermittelten moralischen Kompass verfügen, der ihnen ein eigenes humanistisch geprägtes Urteil über das Gehörte ermöglicht. 'Cancel Culture' ist hier weniger angezeigt als wünschenswerte Charakterstärke. Auch der in der Geschichte untergebrachte Hinweis, dass es heutzutage in der arabischen Welt immer noch Sklaverei gebe, ist überflüssig wie ein Kropf, lässt auf wenig kulturelle Sensibilität schließen und spielt vielleicht sogar jenen reaktionären Kräften in die Hände, die in den letzten Jahren verstärkt darauf hinwiesen, dass die arabischen Nationen historisch gesehen mit Abstand die größten Sklavenhändler stellten und nicht etwa die europäischen, wie von regressiven Politikerinnen hierzulande häufig proklamiert. |
HinweiseDie Kurzrezensionen zu „Die drei ???“ sind eine subjektive redaktionelle Kritik von Die Hörspieler (Hartmut Lühr). Es handelt sich ausdrücklich nicht um offizielle Bewertungen des EUROPA-Labels, von Sony Music Entertainment, Robert Arthur Jr. oder anderer genannter Verlage und Produzenten. Die Hörspieler stehen in keiner geschäftlichen Verbindung zu diesen Rechteinhabern.Die Rezensionen beziehen sich ausschließlich auf die ungekürzten Erstausgaben als Musikkassette in den 1980er Jahren; spätere Veröffentlichungen (CD, mp3-Download u. ä.) vom selben Hersteller bzw. dessen Rechtsnachfolgern sind ausdrücklich nicht gemeint. Besprechungen dienen der Information und Meinungsäußerung; sie stellen keine Kauf- oder Hör-Empfehlung im rechtlichen Sinne dar. Die Inhalte können Spoiler enthalten (vgl. Hinweis oben auf dieser Seite). Die auf dieser Seite verwendeten Illustrationen (einschließlich Cover- und Szenenbilder) wurden vollständig mittels Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt und dienen ausschließlich der redaktionellen Unterstützung der Besprechungen. Sie sind keine offiziellen Abbildungen der rezensierten Hörspielproduktionen und stehen in keinem Zusammenhang mit Original-Covern, Tonträger-Gestaltungen, Marketingmaterial oder sonstigen Veröffentlichungen der Rechteinhaber (z. B. EUROPA, Sony Music Entertainment). Die Darstellungen begründen keine geschäftliche Verbindung, kein Sponsoring und keine Billigung durch die genannten Verlage, Produzenten oder Rechteinhaber. Etwaige Ähnlichkeiten mit realen Produkten oder offiziellen Motiven sind rein assoziativ und unbeabsichtigt. Werk- und Markentitel (z. B. Die drei ???, The Three Investigators) bleiben Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber; Urheber- und Leistungsschutzrechte verbleiben bei den jeweiligen Verlagen sowie Autorinnen und Autoren. |

Jens Wawrczeck wurde 1963 in Dänemark geboren. Er sammelte bereits mit elf Jahren erste
Hörspielerfahrungen in Astrid Lindgrens "Brüder Löwenherz". Seine Schauspielausbildung absolvierte er
in Hamburg, Wien und New York. Heute lebt er in London und Hamburg.
Ich habe ein Hörspiel gemacht, vor Jahren,
zu dem ich nur sehr schwer Zugang fand. Am Abend vor den Aufnahmen habe
ich den Regisseur im Hotel getroffen und gesagt: `Ich habe den Text gelesen,
aber ich weiß nicht,mit welcher Haltung ich den spielen soll.´
Daraufhin meinte der Regisseur: `Oh, um Himmels Willen !! Überhaupt keine
Haltung ! Lassen Sie den Text irgendwie fließen.´. Am nächsten
Morgen ging ich ins Studio mit dem Vorsatz, es `fließen´ zu lassen
und mir nicht zu sehr den Kopf zu zerbrechen. Manchmal funktioniert so etwas
auch sehr gut. Aber in diesem Fall war die Arbeit eine Qual und am Ende habe
ich mich bei allen entschuldigt und gesagt, ich hätte das Gefühl,
vollkommen versagt zu haben. Daraufhin habe ich vom Toningenieur erfahren,
dass fast alle Schauspieler mit einem ähnlichen Gefühl aus
der Produktion geschlichen sind.

'Die Drei Fragezeichen' waren und sind mit Abstand Deutschlands erfolgreichste Jugend-Hörspielserie. Andere innovativere und mutigere Formate, wie etwa die
Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews helfen in Der grüne Geist einer chinesischstämmigen Farmbesitzerin, ihre Ranch gegen Intrigen zu verteidigen. Ein chinesischer Millionär hat es auf besondere Perlen abgesehen, die angeblich unsterblich machen sollen. Um in ihren Besitz zu gelangen, entführt er sogar den Neffen der alten Dame.
Ein Altertumsforscher bittet die drei Fragezeichen, ihm bei der Lösung des Geheimnisses um die flüsternde Mumie, die er aus Ägypten nach Kalifornien brachte, zu helfen.
Die drei Fragezeichen Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews sind mit Patrick und Kenneth, den beiden irischstämmigen Handlangern der Schrott- und Antikhandels von Justus' Onkel, in den Bergen von Rocky Beach unterwegs, um deren Cousine in ihrer abgelegenen Natur-Pension zu besuchen. Aber erstens verhält sich Kathleen von Anfang an recht seltsam den unangekündigten Gästen gegenüber und zweitens scheint in den Bergen noch ein seltsames Wesen umzugehen, was die drei Jungdetektive erneut ermitteln lässt.
Ein früheres Verbrechen erschwert die Dreharbeiten eines Filmteams auf einer Insel, auf der der Geist eines verstorbenen Mädchens umgehen soll. Doch auch aktuell geschehen Dinge, die nicht in Ordnung oder gar geheuer zu sein scheinen. Die Fragezeichen sollen helfen.
Im Haus eines alten Einwanderers in Rocky Beach geschehen seltsame und bedrohlich wirkende Dinge.
Die Auftraggeberin der drei Jungdetektive ist zunächst ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft in Rocky Beach, das seine Puppe vermisst und hofft, dass Justus, Bob und Peter sie ihr mit Hilfe ihrer Fähigkeiten im Aufspüren vermisster Gegenstände wiederbeschaffen können.